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homophobie ist standard

dat ragga nah turn me ah

    am wochenende ist es wieder so weit. ein bratwurstduftendes open air, auf dem sich liebenswürdige normalos und rastaselige dreadlockträger zum roots reggae-konsum treffen. die einen in purer schunkellaune, die anderen rennen einem paradiesischen urzustand hinterher und der rest sucht vielleicht ein letztes überbleibsel konsumierbarer revolution. es soll aber nicht um äußerlichkeiten und oberflächlichkeiten gehen. weil das ist ja das große problem mit raggae ragga dancehall. es wird pauschal als multikultureller und weltoffener riddim vereinahmt. das ist ein vorurteil. und ein problem. viele jamaikanische künstler sind eben nicht so weltoffen und multikulturell wie bunte mützen und bekiffte gesichtsausdrücke vermuten lassen. beim beleuchten der texte eröffnet sich oft eine ziemlich rassistische und sexistische welt, in der frauen zum sexobjekt degradiert sind und eine latente schwulenfeindlichkeit an erzreaktionäre christen, rechtsextreme und neonazis erinnert. homosexualität ist für sie „unnatürlich“ und „wider der natur“. dabei rede ich wirklich nicht von „einigen wenigen ausnahmen“. diese schwulenfeindliche moral und kultur wird auch auf gesellschaftlich-politischer ebene per gesetz manifestiert. wusstet ihr das in jamaika für analverkehr bis zu 10 jahre gefängnis drohen? oder die Jamaican Labour Party eine wahlhymne hatte, in deren refrain schwule verbrannt werden?

    die homophobie in jamaica ist leider nicht vom rastafari-movement zu trennen. im gegenteil sogar: die wesentlichen musiker der insel, die uns so einflussreiche stile beschert haben wie ska, reggae, dub, dancehall... hatten und haben als bekennendende rastas einen wesentlchen anteil am „queer bashing“. minderheiten, die es offenbar nötig haben, minderheiten zu verfolgen, verhalten sich leider nicht rücksichtsvoller als Mehrheiten, die dies tun.“ ETUXX

    nicht umsonst wird schwulen jamaikanern in britanien asyl gewährt. die briten vertreten die ansicht, dass homophobie in jamaika eine „bedrohung“ für leib und leben darstelle. in jamaikanischen mainstream charts haben sich solche minderheitenfeindliche musiken längst etabliert. auch in den deutschen ragga-dancehall-höhlen laufen „chi chi man“* von t.o.k. oder buju banton mit ‚boom bye bye‘ (textauszug: „‚batty boy* get up and run ah gunshot in ah head man‘“). auf einem flyer in österreich von radio rebel wurden schwule und lesben direkt ausgeladen ... leicht versteckt in der jamaikanischen mundart: „Batty Fucka and Lesbian Bulldagga Gyals“.

    es ist halt leicht, eine sprache, die so ein bischen wie esperanza multinational klingt, auf menschen zu projezieren und ihnen offenheit und gute laune zu unterstellen. nicht jedes lied ist fröhlich ist, sondern vieles in hass getunkt oder auf unterdrückung aufgebaut. es ist schade, dass die so gefeierten künstler so stark geistig und haschisch-umnebelt zu sein scheinen, dass sie nicht einmal mehr die größe haben, den hörern eine andere sichtweise zu geben als es die jamaikanische politik tut. mit ihrer musik verschärfen sie statt dessen den hass. auch ich bin anfangs in ilmenau auf arschwackel-parties gewesen und fand die musik zumindest irgendwie abhäng-kompatibel. der style schien nicht so plastisch ausgehöhlt wie spätestens seit mitte der 90er jahre rap & hip hop. die rotzige stimme und die beats trugen ein multikulturelles protest flair. aber ich fand es zu platt, einfach dumm abzutanzen ohne ein wort zu verstehen und wollte hinterfragen ... DJ Pebbles gab mir die antworten. disco, konzerte und parties, bei denen solche inhalte nicht reflektiert werden, sollten boykottiert werden.

    footnotes
    *übersetzungen:
    chi chi man = negativ beschimpfend gemeinte bezeichnung für schwuler typ, schwuchtel
    batty boy = schwuchtel (batty wird von so was wie engl.“ Butt“ kommen denke ich ... in anspielung auf analverkehr)

    quellen
    „Jamaican gays flee to save their lives“ von Tony Thompson, The Observer vom 20.10.2002
    „was ist ein protestsong?“ von günther jacobs, subzero österreich
    etuxx.com

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