"die aufgabe von kunst ist es heute, chaos in die ordnung
zu bringen" (adorno)
der identitätslinke text spiegelt absolut nicht mehr unsere aktuelle meinung zu dem thema pop und independent wieder. 24. sep2006
....
in unserer selbstdarstellung im pop-up reader haben wir uns zur
parole "dem pop keinen fuß breit" hinreißen
lassen.
was eigentlich ist pop? für uns ist die marke für kommerziell
verwertbare musik, auffällig durch ihre anbiederung an das
bestehende und damit den unterstützenden charakter präsenter
zustände. oder auch: >>die realpolitischen Interessen
spielen dabei keine Rolle, wichtig ist, dass die Alliierten es
taten. Pop war in diesem Sinne das Kind der westlichen kapitalistischen
Zivilisation und löste den Kulturmief in Europa mehr und
mehr auf. Pop diente als Gefühlsverstärker und Sprachrohr
unter denen sich Jugendliche dieser Zivilisation einten. Independent
und Subkultur kann man daher als Enkelkinder der Popkultur sehen.
Nun hat sich Pop sehr schnell unter der Bevölkerung der Erde
verbreitet und genau so erging es auch Independent und Subkultur,
was der Beweis ist, dass diese beiden Teile des Pop nie das halten
konnten, was sie vorgaben zu sein. Die Nachfrage in den Bereichen
Subkultur und Independent wurder mehr und mehr und die Branche
war genötigt die Vermarktungsstrategien zu ändern. Heute
weist die Bilanz der verkauften Produkte des Underground auf,
dass man schon lange nicht mehr hinter den Majorlabels steht,
was die Verkaufszahlen angeht. Man kann aus dieser Erkenntnis
heraus nicht mehr zwischen gut und böse unterscheiden, wenn
es um die äußere Erscheinungsform geht.<<(1)
independent, diy oder underground sollte unserer meinung nach
aus diesen strukturen ausbrechen.
entschieden und selbstbewußt den bestehenden strukturen
gegenübertreten und neue kulturelle ideen, alternative lebenskonzepte
und bessere fairere verwertungsmöglichkeiten durchsetzen,
den soundtrack zu einer emanzipatorischen gesellschaft hin bieten.
was wir mit unserer parole meinten ist, dass wir auf viele "indies"
gerne verzichten mögen und wir wissen das wir auf der pop
up genau das podium und umfeld haben, in dem sich genau diese
"kulturschaffenden" tummeln. persönlich habe ich
ein problem damit, dass viele leute independent nur sachlich und
formal betrachten und es sich so ziemlich einfach machen, indie
zu sein. ganz nach der formel: kein geld, keinen vertrieb oder
keine (direkte) verbindung zu einem major.
was grenzt zum beispiel indy von dependent ab? wo ist der unterschied
zwischen einem label wie lado, zomba oder epitaph verglichen mit
bmg, sony oder universal? letzten endes befindet sich jedes label
im gleichen system - dem kapitalistischen und nutzt nur den freiraum,
den das system ihm als wirtschaftseinheit gibt. im ansatz sind
also alle in gleicher weise abhängig von markt, kaufkraft
und geld. selbst wenn wir diesen punkt außer acht lassen
könnten, finde ich den auf der pop up vorherrschenden "geist"
nicht gerade inspirierend. wir von unterm durchschnitt wollen
jedenfalls immer neue möglichkeiten und wege finden unsere
theoretische kritik in die praxis umzusetzen. was sollen wir da
von indies halten, die eigentlich nur den krampfhaften versuch
unternehmen, sich auf der messe dem mainstream anzubidern?die
bloße tatsache, kein reiches label zu sein, ist noch kein
garant für "unabhängigkeit", denn abhängigkeit
kann auch kognitiv bereits längst bestehen. bei vielen kleinen
labels, die aus sachlicher oder struktureller sicht unserem ähnlich
sind, habe ich einfach das gefühl, dass sie über promotion-taktiken,
preispolitik oder einfach auch ihrem auftreten den peinlichen
versuch unternehmen, die gleichen standards wie "die großen"
zu erfüllen. darum kann es unserer meinung nach nicht gehen.
deren standards sind für uns kein orientierungspunkt, sondern
wir machen wozu wir bock haben. auch weil wir selbst fans flachester
hierarchien sind - im leben wie im unternehmen. das von unten
nach oben buckeln ist nicht teil unserer lebens- und firmenphilosophie.
die vollständige integration von bands + künstlern,
mitarbeitern, helfen und praktikanten in möglichst alle prozesse
sind unserer meinung nach existentiell. gleiches gilt für
unsere preispolitik. warum sollten wir 14 euro für eine CD
oder LP von endkäufern nehmen? wozu sollten wir daran ein
interesse haben? wir als indielabel haben den vorteil, eine sehr
kleine und knappe produktionsstufenkette zu haben. es gibt nicht
viele agenturen, händler und lieferranten zwischen uns, den
shops und bsp. den pressewerken. daraus ergibt sich ein preisvorteil
- da es weniger gewinnaufschlag verschiedenster stufen gibt. wenn
wir eine schallplatte für 8 oder 9 euro verkaufen haben wir
den käufern genug geld abgenommen und es bleibt sogar noch
ein kleines bisschen für die kleine bescheidene tasche. es
gibt natürlich menschen, die dann gleich krakehlen, dass
man musik nicht unter wert verkaufen solle. doch da ist genau
der punkt: wer legt den wert fest? media-discounter etwa? die
werte, die von dort vermittelt werden sind nicht unsere werte.
ein auch nur ausschnittsweise erfolgender wertetransfer auf uns
würde unsere wurzeln zerstören. der größte
wert für uns besteht darin, musik menschen zu vermitteln.
es ist wichtiger für uns, viele liebe menschen zu erreichen
anstatt wenige zu einem "normalen" preis. den wert,
welchen musik besitzt legt am ende der geschmack des publikums
fest und nicht die preispolitik im vorfeld. werte bleiben individuell
und sind nicht diktierbar. in dem versuch, sich an "etablierten"
mechanismen zu orientieren sehen wir die gleichzeitige selbstauflösung
des indie-gedankens. vieles was sich hier tummelt ist leider oftmals
doch eher pop als indie. und zu pop sagen wir "nein danke"
...
und wie immer natürlich der verweis, dass es nicht absolutistisch
gemeint ist. sind jetzt halt so unsere eindrücke ohne anspruch
auf allgemeingültigkeit oder wissenschaftliche prüfung...
was wir nachträglich noch ergänzen wollen ist die begründung,
warum wir überhaupt an der messe teilgenommen haben, wenn
doch alles scheiße ist. prinzipiell finden wir die idee
einer messe gut, die wie die pop up, unter dem anspruch von DIY
verwirklicht wird. für uns als label bietet sich dort einfach
mal die möglichkeit, uns zu präsentieren und den leuten
vielleicht nen bischen was von uns mitzugeben (nen mixtape, nen
farbiges diy linol poster etc.) und mit anderen labels oder schaffenden
in kontakt zu treten.
die kritik an der pop up, deutschnationale thematiken pushen zu
wollen, sind uns bekannt gewesen, nur konnten wir dieses motto
nicht im vorfeld in fom eines statements, einer einladung oder
ähnlichem ausfindig machen und haben auch auf der messe (bis
auf die peinliche durchsage von fussballergebnissen) nicht das
gefühl gehabt, dass es um vorwiegende prägung deutscher
kultur ging. auch vorab gespräche mit den veranstaltern bzgl.
des mia-syndroms hatten die antwort, dass sie die thematik kennen
und sich da raus halten wollen. weitere kritikpunkte, wie z.b.
dass sich die messeveranstalter in alle politischen richtungen
offen verstehen, damit besucherInnen positives überall herbeziehen
können (links wie rechts) haben wir selbst so nicht mitbekommen,
können es aber auch nicht widerlegen.
für uns können wir abschließend sagen, dass uns
die pop up 2004 spass gemacht hat. wir hatten einen lustigen improvisierten
stand und viele nette gespräche mit total unterschiedlichen
menschen, wie du es am plattenstand oder beim punkkonzert einfach
nicht hast. erstaunlich viele menschen hatten interesse an den
platten von uns, wobei wir business- oder verkaufssachen absolut
als nebensache (deko?) gesehen haben. wir würden nächstes
jahr wieder bei der pop up einen stand machen, dieses mal wäre
uns ein spruch wie der obige allerdings zu platt und würde
mehr inhalt und umsetzung im rahmen der messe bedürfen.
1 - zitat von conne island, leipzig.
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