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stadt & staat. kulturarbeit in germoney.
mittlerweile geht es mir echt an die nerven. monate und wochenlang
triffst du vorbereitungen, um die bands auf ne halbwegs coole
tour zu schicken und kurz vorm auftritt hagelt es dann absagen.
hier mal eine verarbeitung meiner erfahrungen und gedanken, keine
wissenschaftliche ausarbeitung. außerdem soll es hier nicht
um autonome bewegungen gehen - denn wie ideologisch motivierte
besetzungen vom staat behandelt werden ist noch ne größenordnung
über dem, was ihr gleich lesen werdet.
hameln - regenbogen: 15.11.
tom der booker sagt mir am telefon mitte august, dass sie ihm
die stelle gekürzt haben. er steht vor dem nichts und muss
alle termine absagen.
goslar - gleis 95: 10.10.
christina, eine engagierte jugendpflegerin sagt ab, weil "von
oben" eine art marschbefehl kam, dass alle verfügbaren
kräfte zu einem event sollen. auf antrag dass sie und ein
kollege frei gestellt werden gibt es ein NEIN. das konzert fällt
aus. die stadt kämpft für eine fachhochschule und bei
der abschlusskundgebung mit sweety glitter sollen dann alle mitfeiern.
bückeburg - juz: 11.10.
dort sind viele engagierte jugendliche, die schon seit langer
zeit konzerte in clubs organisieren. jetzt ham die sich dort ihr
eigenes ding aufgezogen, sich nen haus organisiert. die stadt
bemängeltdie nichteinhaltung von brandschutzvorschriften
- die leute wissen nicht so recht und das konzert wird wohl ausfallen...
ich habe es schon so oft beobachtet, vor allem hier in ilmenau,
wo leute sich leer stehende gebäude genommen haben, um dort
ihre kultur auszuleben und sich einen kleinen freiraum zu schaffen
- fernab von dogmatischen weltanschauungen, sondern aus einem
einfachen selbstverständnis heraus. dieser fehlende theoretisch-idealistische
hintergrund ist es aber auch, dass die einst intuitive handlung
der inbesitznahme schnell in zweifel gerät. und diesen prozeß,
selbstzweifel und schuldbewußtsein auszulösen liegt
bei staatlicher seite. denn die kooperationsbereitschaft fehlt
eigentlich immer. denn an solchen orten entsteht schnell etwas,
was sich der kontrolle entziehen kann. warum werden also solche
minibewegungen immer wieder im keim erstickt? und vor allem wie?
einschüterung & öffentliche richtungsbestimmung
der erste versuch sind banale einschüchterungsversuche und
repressionen, die von starken und unangemessenen polizeikontrollen
über öffentliche meinungsmache in zeitungen reichen.
so lassen sich natürlich nur in ausnahmen leute stoppen -
es stellt wohl meist einen teilschritt.
taktik der verdeckten blockade
vordergründig freundlicher ist der weg der verdeckten blockade.
den leuten wird gesagt, dass es ja prinzipiell nicht schlecht
ist, aber doch zumindest die bedingungen aus baurechtlicher, technischer,
hygienischer und gaststättenwirtschaftlicher sicht erfüllt
sein müssen. ein raum, in dem ein notausgang fehlt ist ebenso
schnell gefunden wie fehlender feuerschutz. auch bei toilettenfragen
wird den initiatoren ganz schnell genug zwischen die beine geworfen.
in ilmenau gibt es eine gruppe von leuten, die wirklich der meinung
ist, diese bedingungen jemals erfüllen zu können und
daher nen veranstaltungsstopp im haus eingeführt haben sie
denken, so gibt sich die stadt kooperationsbereiter. die ganze
hütte muss aber im prinzip umgestaltet werden- vom unebenen
boden über türschwellen bis hin zu einem getrennten
klo. sogar das dach soll neu gemacht werden. die bewegung bremst
sich selber und die stadt kann es am ende "nur bedauern,
dass die jungen leute nicht genug ansporn hatten das durchzu ziehen.
die stadt hat schließlich alles erdenklich mögliche
dazu beigetragen, die sache rechtlich bedenkenlos zu gestalten."
heißt es dann so schön, wenn leute in rechtliche ketten
gelegt werden. das selbe scheint mir in bückeburg auch vorzugehen,
auch wenn ich da nochmal genau nachfragen muss wegen der genauen
aktuellen situation. hier in ilmenau jedenfalls bedauere ich es,
dass die leute nicht einfach machen wozu sie lust haben - als
sich in ein labyrinth aus regeln und verordnungen treiben zu lassen,
welches - wenn staat und stadt wollen endlos in die länge
getrieben werden kann. das folgende klingt zwar jetzt gleich schon
fast wie nen stammtisch slogan, denn stadtfeste und kommerzielle
sachen funktionieren schließlich auch immer mit der nötigen
portion "ideologischer unterstützung" seitens der
stadt.
feindliche übernahme
ganz schlimm finde ich das immer mit juzis, die einst eigenständig
waren und durch übernahme der stadt entkräftet und verwässert
werden. das ist meiner meinung nach die variante, wie ihr sie
in hameln oder auch hier in ilmenau (chateau) ausmachen könnt.
ilmenau: bei einem einst leerstehende gebäude haben sich
ein paar leute gedacht, dass es cool für konzerte wäre
und haben einfach gemacht wozu sie lust hatten. schließlich
fing die stadt mit fördermitteln zu winken an und die leute
haben sich auf einen teuflischen deal eingelassen: geld gegen
städtisches jugendzentrum. das heißt, die stadt übernimmt
das jugendzentrum, in dem sie es unter eine zentralverwaltung
stellt. das juz wird dem jugendbeauftragten unterstellt, ein jugendpfleger-team
erhält einzug und befehlsgewalt, verteilt das geld und trifft
die entscheidungen, was gut und was schlecht ist. sicherlich gibt
es auch viele zentren, wo das vielleicht funktioniert hat oder
andere leute mit ihren erfahrungen was anderes erzählen können
... in ilmenau jedenfalls ist es nicht so. die jugendpfleger bekommen
ihr festes gehalt und für sie beginnt das unternehmen "rentensicherung".
wer möchte schon seine existenz und sei einkommen aufgrund
von ungehorsam gefährden. jeder kann der nächste sein
in der nächsten kürungsrunde.
ein ende wie in hameln (war das regenbogen mal einst besetzt?)
ist abzusehen: werden die stellen gekürzt hört die arbeit
auf. es gibt keine eigeninitiative mehr.
das soll hier aber keine einseitige schuldzuweisung a la "der
staat ist schuld" sein. schließlich gibt es auch juzis,
die sich durchgesetzt haben. und das haben sie letzten endes dem
engagement der leute zu verdanken, die das juzi mitkreieren. das
liegt einerseits am geschick und der "führung"
durch die jugendpfleger selbst. wird er ernstgenommen und nimmt
die leute ernst? ein absoluter herrschaftsanspruch wird wohl zu
weniger mitgestaltung führen als ein gefühl nach dem
laissez faire modell, bei dem sich jeder als teil des ganzen fühlt
und ein wille der juzi-besucher, etwas selber auf die beine zu
stellen, vorherrscht. und hier sind wir beim publikum: es fühlt
sich bei staatlichen angeboten eigentlich nicht als teil des ganzen.
vielleicht finde ich ja mal ein städtisches juzi, das ein
anderes flair als "disco in der schulaula" verbreitet
;)
daher sind mir häuser lieber, die sich gänzlich frei
von einflüssen halten und nur ihren ideen und der mitwirkung
der besucher selbst öffnen. bestes beispiel das besetzte
haus in erfurt. seit 2 jahren halten die leute das gebäude
und haben international bands am start - spanien, polen, frankreich,
usa, australien, ...
fakt ist einfach, das im ganzen land kulturelle lichter erlöschen.
es ist ein zeichen dass kultur und soziale arbeit nicht mehr zentrales
anliegen der politik ist. viele kürzungen und ausfälle
gehen aber auch so widerstandslos von sich, dass man gleiches
an die breite masse zurück geben kann. tv-konsum und dj-parties
scheinen den menschen mehr freude zu bereiten als d.i.y. und low
budget kultur. vielleicht ist aber auch genau das der erste schritt
in richtung kulturellen umschwung. staat und stadt ziehen sich
allmählich aus der kulturellen mitarbeit raus. das ist auch
ein stückchen freiheit die dadurch zurück gegeben wird
und genau hierin wird vielleicht der antrieb liegen - das bald
entstehende loch wieder durch eigene arbeit zu befriedigen anstatt
nur immer angebote wahrzunehmen. das soll jetzt nicht zu positivistisch
sein, aber so einen ausblick erlaube ich mir.
woimmer man hinschaut jenseit von autonomen szenen, die sich
nehmen was ihnen gehört: die menschen lassen sich ihre kräfte
und ihre energie von finanziellen mitteln, paragraphen oder befehlen
nehmen. D.I.Y.!
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