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gvl = was denn?

    wer bei indymedia zufällig die kritische diskussion um die major-musikindustrie mitverfolgt hat, der weiß, dass gerade gema & gvl in solchen kapitalismuskritiken immer schnell und vielleicht auch voreilig inhaltlich (ihre aufgaben und zuständigkeiten) durcheinander gewürfelt werden. wer unsere webseite aufmerksam durchsurft, kennt unsere kritische und theoretische auseinandersetzung mit lizensjägern wie der gema. wir vertreten einen kritischen standpunkt gegenüber diesen bürokraten. im folgenden soll es daher auch gar nicht darum gehen, die gema als böse und die gvl als gut oder umgekehrt herauszustellen. es gibt unserer meinung nach einige wichtige und wissenswerte unterschiede zwischen den zwei institutionen, auf die wir im folgenden ein wenig eingehen möchten.

    gvl vs. gema

    die gvl kümmert sich um sog. leistungsschutzrechte und vergibt an die zugehörigen labels labelcodes, während die gema urheberrechte schützt und verteidigt. während die gema grundsätzlich alle musikalischen aufführungen deutschlandweit kontrolliert (konzerte, disco, hintergrundmusik, etc.) ist die gvl ausschließlich für rundfunkanstalten zuständig. die gvl regelt ausschließlich lizenzverwertung mit radiostationen, fernsehanstalten und anderen finanziell gut gepolsterten "juristischen zusammenschlüssen". die gema kontrolliert hingegen veranstalter, welche musikstücke von urhebern aufführen. neben gewerblich-kommerziellen kommen so auch private personen und autonome zusammenschlüsse von menschen aus der szene ins fandungsraster. dadurch werden schwer zu überwindende bürokratische barikaden zur genehmigung von konzis aufgestellt und haben schon oft fürs "aus" von wichtigen kulturellen knotenpunkten gesorgt. die gvl hingegen greift in den privaten bereich nicht ein und stellt zwischen labels, künstlern und sendeanstalten eine entbürokratisierung dar, soll die abläufe dazwischen vereinfachen.

    gvl vs. vorurteile:

    grundsätzlich sind gvl und gema völlig unabhängig von einander die gvl hat also mit der gema nichts zu tun (o-ton telefonat mit frau prill, gvl berlin, 02/2004). an einer stelle gibt es aber doch eine kooperation, in der jedoch die gvl lediglich verwaltungsarbeit an den bestehenden gema-apparat abgegeben hat, um kosten einzusparen. dabei handelt es sich um einen spezialfall, der eh bereits von der gema kontrolliert wird und es daher unnötig wäre, wenn die gvl ebenfalls nocheinmal die gleichen person betreffend der gleichen sache nerven würde. dieser fall tritt genau dann ein, wenn nicht musik im sinne von einer playlist abgespielt wird, sondern öffentlich eine radiosendung oder tv-kanälen durch die lautsprecher tönt, wie z.b. auf flughäfen, supermärkten etc. nur in diesem fall führt die gema inkasso für die gvl die rechtewahrung mit durch.

    an dem gerücht, durch einen labelcode würden lokale unkommerzielle veranstalter unvorhergesehene kosten auf sich zukommen sehen müssen ist absolut falsch! gvl hat mit veranstaltern nicht das geringste zu tun, denn darum kümmert sich ausschließlich die gema. veranstalterkinnen müssen nur mit solchen kosten für sich rechnen, wenn sie bands auftreten lassen, die ihre songs bei der gema melden und diese auch auf ihrem konzert spielen.
    da sich die gvl nun um medien-strukturen kümmert, könnte schnell der vorwurf gestrickt werden, dass sich inhaber von labelcodes an der zerstörung unkommerzieller und alternativer medienstrukturen beteiligen bzw. bereichern. uns ist natürlich klar, dass es viele radios gibt (fsk hamburg, flora hannover, radio z nürnberg etc.), die nichts mit business im vordergründigen sinne zu tun haben und welche es zu unterstützen gilt. dem vorwurf muss jedoch ein klares und schlichtes "nein" entgegnet werden. kleine unkommerzielle radio- und fernsehprojekte bleiben von der erhobenen sendeminutenpauschale befreit und unangetastet!
    der beirat der gvl entscheidet auf seinen beiratsversammlungen der mitglieder (künstler und schallplattenfirmen), dass nur radios mit einer bestimmten reichweite finanziell herangezogen werden. ein gewisser radius ist eine sicherheit für eine entsprechende einschaltquote, die über anzeigen dann ein finanzielles polster sichert.

    gvl ist dennoch keine gute fee

    der eindruck, die entscheidenden mitglieder handelten größtenteils aus sozialem mitgefühl trügt jedoch. die einflussreichen größeren plattenfirmen möchten ihre gewinnbeteiligungschancen möglichst voll ausschöpfen und für sie ist die finanzielle entlastung auch ein schutz des eigenen geldes. die independent radios spielen naturgemäß eher unkommerziellere musik und durch ihre teilweise szene-verbundenen radio-shows auch musik von mehr oder weniger independent-labels. dadurch, dass die kleinen stationen nicht zur zahlung einer sendeminutenpauschale herangezogen werden, überprüft und erfasst die gvl auch nicht die playlists nach labelcode-einsätzen. würden die zahlreichen studentensender erfasst, bekämen von den knapp 5000 registrierten labels mehr firmen etwas vom sendeminuten-kuchen ab. dadurch, dass diese stationen außen vor bleiben, werden auch ein größerer teil der mitglieder ausgesperrt und ihnen anteile an den vergütungen vorenthalten. dadurch steigt für die majors und ihre partner-labels der "minutenwert" für ihre musik. und wir alle wissen ja, was diese firmen so unter "musik" verstehen: charts rauf und runter...

    ein weiteres vorurteil, was mir zu ohren kam ist, dass durch einen labelcode die presswerkrechnungen teurer werden würden. damit hat die gvl ebenfalls garnichts zu tun. um solche belange kümmert sich die dafür zuständige gema.

    gvl und wir: was haben wir davon?

    anhand des labelcodes erfahren wir wann die songs bei welchem sender gespielt worden sind und anhand der anteiligen sendeminuten an den gesamtsendeminuten gibt es eine jährliche ausschüttung. läuft unsere musik auf kommerziellen sendern bekommen wir also das geld, welches die sender für das spielen unserer songs eh bezahlen müssten - egal ob labelcode oder nicht.
    wir möchten mit lc12566 auch nach außen zeigen, dass die musik öffentlich gesendet werden darf. sollten wir dabei schlechte erfahrungen mit einem sender o.ä. machen, können wir solche pauschal-genehmigungen immer noch individuell zurücknehmen, wenn ein unliebsamer kandidat in der airplay-auflistung auftauchen sollte. generell halten wir es aber auch aus der labelphilosophie raus für wichtig, dass wir "copyright free" sind und alle menschen die musik ersteinmal verwenden dürfen, wo sie wollen und wann sie wollen. lässt sich so für uns auch besser nachvollziehen, wer und wo die musik läuft. als mitglied der gvl können wir jedoch unsere meinung und einstellung vor der beiratsversammlung vertreten. dort können wir dann auch weiterhin für den schutz von unkommerziellen strukturen stimmen.

    hoffentlich konnten wir mit dem schreiben ein wenig klarheit schaffen konnten. dazu lege ich euch auch nocheinmal unsere gema-kritik ans herz, die ihr unter www.unterm-durchschnitt.de (>polaroids) finden könnt. da haben wir auch eine basiskritik verfasst, die sicherlich auch auf die gvl anwendbar ist und die wir in dem zusammenhang auch sehen! wir müssen lernen, mit den widersprüchen (arbeiten gehen, musik auf platte für geld verkaufen, etc.) zwischen dem jetzt und den wünschen und theorien, mit welchen wir uns beschäftigen, umzugehen und uns untereinander auch ein wenig mehr vertrauen, wobei eine offene und kritische auseinandersetzung natürlich wichtig ist und auch die möglichkeit zur selbstreflektion und dadurch zur selbstkritik ermöglicht! wäre also super, wenn ihr uns schreibt, solltet ihr andere standpunkte bzw. dinge über bzw. gegen die gvl und labelcodes erfahren haben.

    andreas.




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