|
published in a fanzine i forgot the name from...
captain planet - tourtagebuch
>>Da muss jetzt was gehen, ey! Thorben von MATULA hat mich nämlich verpfiffen beim Golle Of Control von wegen "Renke schreibt ein Tourtagebuch über die MATULA & CAPTAIN PLANET Tour!". Bin ja selber schuld, hab es ja mal anklingen lassen, dass da was passieren könnte und jetzt hab ich halt den Salat (by the way: Meat is murder, wo wir schon beim Salat sind….). Es ist auf jeden Fall schwierig, jemandem eine gute Zeit mit Schwarz auf Weiss zu vermitteln, "da muss man dabei gewesen sein" kommt zum Zuge und eigentlich weißt du ja eh selber, wie das alles ist, also vielleicht zumindest… Insofern bitte nichts Konventionelles erwarten. Storys vom Saufen und Ficken wird es nicht geben, obwohl, mal gucken, vielleicht doch… Ich lauf einfach mal los, bin gespannt, was noch im Kopf ist. Im Moment sind bei mir jeden Tag so viele Eindrücke, da vergisst man manchmal Dinge. Verdammt, ich möchte mich so sehr an alles erinnern! Erinnerung muss sein. Oh, mir fällt gerade auf, das dieses Heft vielleicht sogar drei, vier Leute lesen, die mich und die Bands nicht kennen und deswegen ggf eine kleine Vorgeschichte haben wollen. Also, MATULA aus Neumünster sind Kids aus meiner Hood, die manchmal Flaschen in meinen Vorgarten schmeissen und darüber lachen, wenn ich zornig und taddrig die Faust erhebe, um sie zu verscheuchen. An CAPTAIN PLANET aus Hamburg schnupperte ich ein paar Mal und es roch ein wenig wie Zuhause, somit sind die Kids auch allright. Im Juni 2005 sind diese beiden Punkbands auf Tour gegangen und ich durfte mitkommen mit meinem Zeitstrafe-Kram, nett nech? Los geht es am Donnerstag, den 09.06., die Matulesen holen mich erstaunlich pünktlich um 13.00 ab, Platten einpacken und nach Hamburg zu den Kapitänen ihrem Proberaum fahren und alles einpacken in den Bus (owned by Robert "Voss Of Change" Voss) und den Planet-Kombi. Einige sagen noch kurz der Pizza "Hallo" und schon sind wir unterwegs Richtung Potsdam, wo im Nil Klub das erste von neun Konzerten stattfinden soll. Das Potsdam schön ist, wusste ich durch Punktouren-bedingtes Vorbeischauen bereits, aber als die Navigation (sag "Sell-Out" deswegen, ich schreie "NAVIGATION" darüber!) uns geradewegs in Richtung des infamous Sanssouci-Parks führt und es sich schließlich herausstellt, dass sich der Nil Klub im Keller irgendeines Dingens direkt gegenüber des "Neuen Palais" befinden, finden wir das echt mal richtig dufte und mehr stylisch geht wirklich nicht. Ein Schloss! Wir fühlen uns alle tierisch preußisch und hüpfen vergnügt über das Gelände, auf dem tagsüber nicht nur Studenten der Uni Potsdam schlendern, sondern schon alle möglichen Bonzen-Könige-Schweine von Friedrich dem Großen bis Kaiser Wilhelm the Zweite flanierten. Okay! Respektlos wie wir sind, entweihen wir diesen geschichtsträchtigen Ort mit plumpem Frisbee-Gewerfe und Abhängens der sinnlosestens Art und Weise. Erfreulicherweise begegnen uns schon draußen Steffi, die das Konzert ein paar Tage später in Berlin veranstaltet und eine Freundin von ihr. Hardalk im Anschlag und damit keine Gefangenen machend. Yes, auf Tour sein! Veranstalter Tobi bestellt uns lecker Nudel-Kram vom Chinesen und genau, ein Konzert gab es auch. Ca. 20 Leute sind wohl da und auch sonst sicherlich kein Highlight der Tour, aber es laufen ja auch alle erst warm. Sowieso waren für mich die Shows selten die Highlights der Tage, aber ich spiel ja auch nicht… War aber schon ein absolut okay-gehender erster Gig. Pennen ist danach in einem Studentenwohnheim, genauer gesagt in der "Bar" eines solchen. Thorben und ich pennen genau hinter der Theke. Vor dem Akt des Schlafens machen wir natürlich noch Klassenfahrt-mäßige Sachen, wie auf den Gängen rumlungern und Bier trinken und so. Standard. Ich schlafe "geht so", denn neben mir ist eine Lüftung etwas zu laut. Frühstück im Bistro der Uni, das Gelände ist mittlerweile vollgepackt mit Studenten, coole Atmosphäre eigentlich. Also, nicht, wäre ich alleine gewesen, aber so schon. Oh mensch, ich merke gerade, dass der Bericht jupiterähnliche Ausmaße annehmen wird, wenn ich mich weiter mit so vielen Details aufhalte. Ab jetzt hagelt es kalte Fakten! Mist, dabei sind es gerade die Details, die so toll sind… Naja, mal gucken. 21:27 jetzt, THE SMITHS laufen. Bin gespannt, wo das endet. Wir fahren nach Hamburg, denn der Terminzettel sagt: 10.06. Hamburg, Schilleroper, CAPTAIN PLANET 7" Releasparty. Verdammt, da war doch was… Wir sitzen im Bus und wundern uns, das sich um unsere Nasen herum auf einmal ganz viel Dampf, oder besser Rauch befindet, obwohl wir nicht eine Boyband sind, wir nicht auf der Bühne stehen und keine Nebelmaschine an Bord ist. Hm… Robert fährt raus. Scheiße, der Wagen verliert Öl. Mehr als sonst! Argh. Während sich der ADAC (da bieten sich übrigens geniale Witze an, von wegen A.C.A.B., prust, gacker….) den MATULA Boys annimmt, werde ich kurzerhand in den CAPTAIN PLANET Kombi verfrachten und wir fahren schon mal nach Hamburg. Chiller, die wir sind, chillen wir (Badda, Benni, ich) aufs Chilligste bei Benni in der Wohung rum, freuen uns sehr über die Pizza, die Katja uns charmanterweise mitbringt und noch viel mehr über die CAPTAIN PLANET 7"-Cover, die püntlich zur Releaeparty derbe am Stiesen sind. Erleichterung. Die ganze Gang vereint sich wieder in der Schilleroper, in der ich zum ersten mal bin (ist nett) und MATULA prollen mit ihrem Ersatzblablazeugwagen rum, weil der Bus erst morgen fertig ist und dann abgeholt werden muss. "Son Mist" denken vor allem der Vossboss und Basti "Bayer 04" Beier, die morgen also früh rausmüssen, von Hamburg nach Potsdam fahren, dann nach Rendsburg. Der ADAC bucht so verdammt schlechte Touren, unglaublich… Cover kleben und Biertrinken bis die Party anfängt. Ey, das war so großartig, ein sehr sehr schönes Konzert. Es waren auch alle da, insgesamt 150 Menschen. Hendrik jumpt wie fast immer und lebt den Bass, Arne singt so superduper, alle drehen durch. Mitsingen muss nicht peinlich oder doof sein, bei CAPTAIN PLANET geht das voll gut. Ja, ja, ich weiss, du siehst das anders, aber du brauchst ja auch erstmal einen Kaffee um "klarzukommen" und deine Nase ist vom vielen Rümpfen schon ganz wund. Laaaangweilig. MATULA natürlich auch supi, sind sie ja auch. Ach ja, ISKRA haben auch gespielt, ich weiss aber nicht mehr, wie ich die fand. Ich glaub gut. Ein tolles Konzert, euphorisch, positiv, das Lächeln geht nicht weg…. Danach läuft auch noch coole Plattentellerscheiße von Members of the almighty PETERS., wo ich und die Spacken um mich herum gezeigt haben, wie wenig wir tanzen können, wie viel Spaß dieses Unvermögen aber machen kann. Hauptsache Finger in die Luft. Nächster Tag, 11.06., Rendsburg, T-Stube. Fußball spielen im Park muss sein. Für moralische Unterstützung am Plattenstand sorgen heute Abend Ine und Christina aus Neumünster, die mir den tristen Distrowahnsinn aufhellen. Kann ja sehr langweilig und ätzend sein, da zu sitzen. Alle denken, du bist eh nur wegen der Asche da, es ist das mit Abstand unkreativste am "Label-machen", man muss sich mit Nervensägen rumplagen, die einen hassen, weil man die Platten nicht verschenkt, weil man die neue "Hassenichgesehen" nicht hat, etc… Besoffene Menschen am Plattenstand. I can't run and i cannot hide. Aber ist ja alles selbst ausgesucht und ist ja auch cool und wenn man dann nicht alleine ist sowieso. Danke! Mittlerweile freu ich mich jeden Abend auf den Deutschpunksong von MATULA, auch wenn die Jungs behaupten, das es keiner ist. Super Lied! CAPTAIN PLANET spielen heute schätzungsweise elf Minuten, was aber durchaus okay ist, würde ich sagen. Lieber kurz und gut als z.B. so wie die dritte Band in Rendsburg, nämlich THE MOVEMENTS (nicht zu verwechseln mit THE MOVEMENT) aus Schweden, die laaaaange spielen und in jedem Song sind fünf "All rights" und "C'Mons" drin, das es mich fasst einschlafen lässt. Rockgrütze. Leider haben die unser Schlagzeug… Als sie um ca. 4:37 fertig sind, packen wir ein und hauen ab, nur um dann in Neumünster auf Thorbens Abiball auf gaaanz dicke Hose zu machen, zumindest einige von uns. Also einer von uns im speziellen. Hey, wenn ich mich schick mach, dann richtig. Was denn los?! Wildfremde Menschen (okay, es waren die AMERICAN TOURISTS) machen Fotos mit mir, weil ich so aussehen soll, wie ein bekannter Rapstar. Ähem. Ihr habt alle keine Ahnung, ich dagegen Stil. Nein, also der Abiball war echt lustig und hat den Abend abgerundet. Hätte auch noch länger gehen können. Schlaf ist aber auch cool, auf Tour ja eher rar gesät, genauso wie Ruhe und Entspannung. Besonders vor der nächsten Tour, denn aus Neumünster bzw. Hamburg bis Marburg ist nicht ohne, waren das 6 oder 7 Stunden? Naja, wir hatten es schon Schlimmer, alle, irgendwann mal. 12.06., Krokodil, die besagte Stadt. Schön ist es hier, Fachwerkhäuser und idyllisch-uriges Ambiente in der Straße, in der sich der Laden befindet. Es ist Sonntag Abend und mit 7 zahlenden Leuten sind wir dabei. Das Krokodil ist eine waschechte Kneipe und unser netter Gastgeber und Pennplatzgeber Daniel gibt alles, um uns ein paar mehr Getränkecoupons zu erschummeln. Ich hoffe, ihr nehmt es mir nicht übel, dass ich nicht Tracklists, Verspieler und sonstige Details der "Auftritte" immer wieder aufzähle. Diesbezüglich solltet ihr einfach mal auf ein MATULA bzw. CAPTAIN PLANET Konzert gehen, da kommt das mit Sicherheit all das rüber, was ich hier doch nicht aufschreiben kann. Ich fand jeden einzelnen Auftritt an jedem Tag der Tour von beiden Bands cool und hab es genossen, sie zu sehen. Bei MATULA singen heute Stoffkrokodile mit, crazy. Textsicher und plüschig werden sie von dem Sturm Benjamin in Szene gesetzt, süß. Heute stellt sich auch mal wieder das Phänomen ein, dass man bei kleinen Konzerten oft mehr verkauft, als auf vollen Konzerten. Nur Gott weiss, warum das so ist. In Daniels WG schlummern wir nach dem obligatorischen in-der-Küche-abhängen zu den Klängen von einem Jan Tenner-Hörspiel ein. Berlin am 13.06. im Subersiv war groß. Ich war schon mal mit den TOURISTS und KURHAUS hier und freu mich aufs fucking back sein. Erstmal fahren wir aber zu Steffi, die das Konzert macht, bei der wir schlafen und die eine fantastische Gastgeberin ist. Und sie hat mir einen coolen Spitznamen verpasst, hihi. Nach tollem Essen und kurz-mal-Arme-ausstrecken fahren wir zum Subversiv, wo schon die PETERS. auf uns warten, also zumindest sind sie schon da. Die spielen nämlich auch heute, jawoll, das freut uns alle sehr! Das Wetter wird übrigens immer besser, Hitze ist so langsam aber sicher angesagt, so dass ich es nur legitim finde, mich im Hof beim Subersiv dekadent in einem Strandkorb rumzulümmeln. Das pralle Leben. Große Freude auch, weil Abends Martina, Flora und noch eine Steffi da sind. Bestimmt alles Namen, mit denen du rein gar nüscht anfangen kannst, aber ich und ich schreib ja, ätsch. Immer super, Menschen wiederzusehen. Sowieso sehr gut besucht heute, was ja auch mal ganz nett ist. Der Ort, an dem wir den Plattenzirkus aufbauen ist total lustig, weil das Ding tierisch hoch ist und wenn die LP-Kisten draufstehen, ist es auch für einen durchschnttlich großen Menschen (Schnauze Benni, oder es setzt was….) fasst nicht möglich, da reinzugucken. Stellt euch das bildlich vor. Coole Leute, vor coolen Tonträgern und der ganze Kram auf Brust-bis-Hals-Höhe! Urkomisch und Coolheit geht flöten bei so was, geil. Kurz gelacht, dann eingesehen, dass Witzigkeit unsere Famillien nicht satt macht und deswegen mit ein paar Paletten ausgeholfen, so dass jede/r etwas sehen kann. Die PETERS. fangen an und sind natürlich super, aber sie sind ja halt auch super, was soll man da noch sagen. Gute Spackenmusik, gute Band, haben eine gute 7" gemacht, kauf sie dir mal. Schon während CAPTAIN "Granddads" PLANET und MATULA merkt der objektive Betrachter mehr und mehr, dass heute (zumindest für einige) "durchdrehn" Motto ist. Es gab eine Schlüsselszene an dem Abend für mich. Irgendwann nach dem Konzert taucht Benni Planet bei den Platten auf, wankend, Augenlider auf Halbmast, kurz: Sturzbesoffen. Ich glaub, das muss innerhalb von 2-3 Minuten passiert sein, eigentlich ist so was ja chronologisch nachzuvollziehen, aber das war eher so: Du siehst jemanden an einer Bushaltestelle stehen, ganz normal, nüchtern. Ein Bus fährt vorbei. Die Person ist noch da. Besoffen, sich am Wartehäuschen anlehnend. So etwa war das. Im weiteren Verlauf der Nacht werden besonders Benni und Beier 04 zu Brüdern, was sie sich aufs Liebevollste zeigen, nämlich wie sich das gehört, indem sie sich durch die Gegend schubsen, in regelmäßigen Abständen Anpöbeln, Hauen und wenn es sein muss auch schon mal zusammen und mit dem Rücken zuerst auf eine schöne Kante eines Blumenkastens fallen. Die wollen nur spielen. Der Benni-Terror geht so weit, dass er Voss Of Change irgendwann Morgens wachschüttelt (ich lag daneben…) und dem verdutzten Boss klarmacht, dieser solle schleunigst mal seinen Arsch hochkriegen (Vorsicht: Dramatisierung meinerseits!!!) und die anderen Party-People von irgendwo abholen. Wie auch immer, der nächste Morgen kommt trotzdem und der Klopps auch: Ein paar von uns gehen irgendwann nach dem Frühstück zum Subversiv, um die Autos zu holen und kommen beim Nachzählen der Wagen nur auf 1. Was merkwürdig ist, weil es korrekt 2 Autos sein müssten. Mist, ganz großes Mist. Nachforschungen ergeben, dass der Kombi abgeschleppt wurde, was nicht billig wird, aber was solls jetzt. Was uns nicht umbringt, macht uns nur noch fälscher parken! Jawoll! Sonstige Highlights am Morgen: Hendrik, Sturm, Thorben und ich gucken Talkshows und asiatische Kampfkultur im TV an und wieder der Sturm, Stefan "Sex" Beitz und wieder ich wollen spazieren gehen und landen auf einem Friedhof. Ein Zeichen? Der Kombi ist schließlich wieder da und nach Berlin-Verkehr (Gasgeben, Hupen, Bremsen, "Vollidiot!", usw…) landen wir im Stau und tingeln unglaublich lange vor uns hin. Spätestens jetzt sollte ich endlich mal erwähnen, dass wir ungefähr den halben Teil der Tour ein überdimensional, fast schon lächerlich großes JULI-Poster hinten auf dem Bus haben, was einige Menschen auf der Autobahn offensichtlich in Erwägung ziehen lässt, wir seien JULI. Zumindest gucken die immer so. Das Poster ist aus einer der Teeniezeitungen (Bravo, Yam, Top of the Pops, etc…), welche Beitz alle 1-2 Tage kauft und welche für großartige Unterhaltung einerseits und tiefe Erschütterung andererseits sorgen. Wie kann ein junger Mensch nicht verwirrt sein, wenn er/sie so was liest?? Tu das, lass das, so darfst du aussehen, so nicht. Die schüren Angst, verdammt! Egal, wir sind alt. 5-6 Stunden fahrt und wir sind am 14.06. in Northeim, in Wolkes Turm. Wieder eher Kneipe, die ihren Namen nicht zu unrecht trägt, denn die Haare des Besitzers Wolke sehen genauso aus wie eine…äh, ja, genau, eine Wolke! Cool! Wir stürzen uns förmlich in das Essen, das aus Kartoffelecken und einer grandiosen Suppe besteht, in der wir buchstäblich baden, einige hatten wirklich schon die Füße drin, hab ich mit eigenen Augen gesehen. Wie in Hamburg und Eisenach ist auch in Northeim Andreas von Unterm Arschtritt mit dabei, was nett ist. Klar gemacht hat den Gig übrigens Niels von Freecore, der uns auch die Schlafplätze im Haus von den SCHMUTZIGEn TATEN reserviert hat. Danke! Das Konzert war insofern etwas besonderes, als das beide Bands heute "leise" gespielt haben, also nicht wirklich unplugged, weil war ja plugged, aber schon so mit auf Hockern sitzen und so. Yeah, fand ich richtig cool, entspannende Sache, tolle Abwechslung und überhaupt. Das wir alle spätestens jetzt warmgetrunken sind, merke ich an der Tatsache, dass nach Berlin eigentlich alle rausposaunten "heute mal kürzer treten", dann allerdings in Northeim das Bock(!)-Bier wieder in kürzester Zeit weg ist. Ja, ich weiss, die langweiligen Storys über Alkohol…. Langweilig ist aber auch langweilig, wenn es nicht um Alkohol geht. Äh, genau, wollte ich schon immer mal sagen. Ich wünschte mir, meine alten Lehrer könnten diesen Satz jetzt lesen, ha! Die würden staunen (…). Gut geschlafen neben Vossibär auf einer etwas zu weichen Megaluftmatratze und am Morgen ein gutes Beispiel erlebt für eine Kleinigkeit, auf die ich auf Tour gut verzichten könnte. Die Rastlosigkeit im Bad. Das Durchhechten. In der Zeit, in der ich geduscht und Zähne geputzt habe, haben 5-6 Leute an der Tür gerüttelt. Ich weiss, da sind Länder, da haben Menschen nichts zu Essen, aber das ist der MATULA & CAPTAIN PLANET Tourbericht, deswegen mal, nech? Heute ist Beachparty angesagt, wir steuern auf einen offensichtlich ultrabrutalverseuchten Baggersee zu, in dem derbe abgebaut wird und auch alte verrostete Wracks und anderer Müll rumliegen. Idylle. Einige wagen den Sprung in die Pisse, andere spielen Fußball oder Quartett, lesen oder lümmeln sonstwie rum. Heiss ist es, der Sommer ist da. Erinnere ich mich zurück war dies übrigens einer der wenigen Momente, in denen Thorben "Monchichi" Lange von MATULA nicht gegessen hat, auf der Suche nach Essen war, auf mein Essen geguckt hat oder einem kleinen Kind gerade das Essen weggenommen hat. Echt mal jetzt, Thorben! Dass man bei solch einer Nahrungsaufnahme noch so spargeltarzanig über die Welt schreiten kann, unglaublich… Geschichte wird vielleicht nicht gemacht, voran geht es trotzdem, auf nach Eisenach, in das Gleis Eins am 15.06. Das Gleis Eins liegt erstaunlicherweise direkt am Bahnhof im durchaus auf den ersten Blick sehr schönen Eisenach. Städte auf Touren zu beurteilen ist ja auch so eine Sache. Man sieht ja immer nur einen kleinen Ausschnitt, für das große Unter-die-Lupe-nehmen fehlt meistens ja leider die Zeit und vom Äußeren auf die Lebensqualität zu schließen, wäre auch falsch. Man sorgt sich gut um uns und eine Info versetzt vor allem die Jungsporne von MATULA in helle Aufregung, die wohl nur mit der kindlichen Vorfreude und Nervosität an einem Weinachtsmorgen zu vergleichen ist: Wir schlafen heute in einem (trommelwirbel….erst leise….dann lauter…) HOTEL. Gaaaaaanz genau, meine Lieben. Das hat natürlich realistisch betrachtet überhaupt nichts zu sagen, trotzdem werden nur auf Grund der Erwähnung des Wortes "Hotel" Purzelbäume geschlagen und Rockstarträume scheinen wahr zu werden. Der Fernseher wird fliegen, das ist uns allen klar. Erst die Arbeit. Bis zur Show versuchen Benni und ich mit coolen Fußball-Tricks vor dem Laden Frauen zu beeindrucken, was echt nicht klappt, aber wir stolpern auch zu oft. Fußball geguckt wird vereinzelt auch, schließlich ist heute Confädderdingsda-Cup angesagt. Gästemäßig ist es mit 25 Leuten zwar gar nicht mal so schlimm, aber der Laden ist einfach zu groß und zu kalt, also nicht wirklich kuschelig oder knuddelig. Das Konzert macht aber trotzdem Spaß, mittlerweile wird auch unter den Kapitänen und den Detektiven heftigst Inzest betrieben, Arne spielt Tröte bei MATULA, Basti bei den CAPTAINS, Thorben Gitarre bei den CAPTAINS, ein wahrhaftiges Durcheinander, Vergleiche mit einem Ameisenhaufen sind angebracht. Wo wir heute pennen, wird auch 3-4 Mal auf der Bühne gesagt, glaube ich… Wir müssen übrigens getrennt zum Hotel gehen, da wir die Zimmer punkig wie wir sind brutal überbelegen und das darf ja Niemand merken, verstanden? Hendrik, Thorben, Robert und ich sind ein Zimmer und die anderen wollen uns verarschen, indem sie mit verstellter Stimme fordern, wir sollen die Tür aufmachen, wir würden rausfliegen, etc. Pfffff, Leute, netter Versuch. Wie auf Klassenfahrt, großartig. Es passieren noch mehr solche Dinge, die man als Jugendlicher, der sich auf einer Punkrocktour befindend und in einem Hotel nächtigend, einfach machen muss. Aus dem Fenster pissen und so. Kennste ja. Wir wachen auf und wollen uns nach dem "Neuen Palais" die erneute Überdosis Kultur geben und was gibbet da in Eisenach denn, hä? Genau, die Wartburg! Wir haben heute eine kurze Strecke vor uns, insofern ist Burg gucken der Deal. Ich steh ja voll auf sowas, Burger, Schlösser. Was da wohl alles abging, was ist passiert? Okay, es gibt mit Sicherheit großartigere Dinge zu besuchen, als z.B. die Wartburg, aber ich fands super und wir waren halt da. Wie ihr alle im Geschichtsunterricht gelernt habt, hat Martin Luther hier Zuflucht gefunden, das Neue Testament übersetzt und sich im Suff mit dem Teufel gebattled. Das hat nicht unbedingt etwas mit mir zu tun, trotzdem fasziniert es mich, da durchzugehen und mir das anzugucken. Und der Ausblick ist superschön. Ich sag nur Derwisch. Außerdem kann Beitz wieder seinen "Hey MTV, welcome to my crib…."-Witz bringen. Ich liebe Beitz. Keiner kann so viele schmutzige Wörter in einem Satz unterbringen und dabei so subtil sein, wie der gute Stefan mit dem Bart. Humortechnisch mit jemandem auf einer Wellenlänge zu sein, ist die halbe Miete. Word. Hui, ich merke gerade, wie ich beim Schreiben die Tour noch mal durchlebe. Ich werde immer müder und der Rücken schmerzt immer mehr. Nur lachhafte 60 km sind es heute zu fahren, dann sind wir auch schon in Wiesbaden. Es ist der 16.06. und das Konzert ist im Kulturpalast. Hm, vielleicht der coolste Tag der Tour? Auf jeden Fall ganz oben dabei, auch wenn wirklich alles verdammt gut war. Wiesbaden ist ja nun echt mal eine schöne Stadt or what? Veranstalterin Andrea (argh, mein Gedächtnis, hoffe das stimmt!) erzählt mir, im 2. Weltkrieg verschont worden, deswegen so viele alte schöne Häuser. Wir fühlen uns alle auch ganz schnell wie Zuhause, der Fußball wird rausgeholt und für Stunden beansprucht, Badda und Arne holen das Tischtennis-Equipment raus, das Essen ist auch super, alles toll… Benni und Ich schlendern noch ein wenig durch die City auf der Suche nach einem Kiosk und genießen den Sommer in der Stadt. Der Kulturpalast ist ein genialer Laden, wobei "Laden" zu schäbig klingt. Ein Kindergarten ist da drin, Jugendzentrum ist es wohl auch, der Konzertraum schockt, das Ding lebt einfach. Wir sind glücklich. Das Konzert von CAPTAIN PLANET ist heute wieder etwas kürzer, da Badda und Benni recht angeschlagen, um nicht zu sagen krank sind. Falk von Matula Records ist übrigens auch da, die erwarteten Kloppe für MATULA von wegen Namen klauen bleibt aber aus. Nach der Show haben Thorben und der Rest der MATULAS eine umwerfende Idee: "Wir schreiben uns jetzt alle TRUE TIL DEATH auf die Arme!!! Und zwar mit EDDING!!! JA!!!". Gesagt, getan, so geht Rock. Die Tour ist bald zu Ende, was bei mir und ich glaub auch dem ein oder anderen für Wehmut sorgt, denn ich habe das Gefühl, erst jetzt richtig auf Tour angekommen zu sein. Klar sind da Dinge und Menschen, die fehlen, aber die verliert man so schnell eh nicht. Könnten schon ein paar Tage noch dranhängen. Wobei, aufhören, wenn es gerade super ist, ist auch gebongt. Wir schlafen im Laden, in dem Raum, wo am nächsten Morgen ab 13 Uhr Kinder sind. Letzter Tag, er führt uns nach Hanau, in das AKZ, Datum 17.06. Merkwürdiges Ereignis am Frühstückstisch in Wiesbaden: Als Benni, der mir gegenübersitzt, den Kopf nach unten senkt, die Hand vor das Gesicht hält und rote Flüssigkeit vor ihm auf den Boden tropft, denke ich, er spuckt einfach die Erdbeer-Marmelade aus, weil sie ihm nicht schmeckt oder was auch immer. Einige Sprüche später ist klar: Das Zeug ist Blut und kommt aus Bennis Nase. Aha. Irgendwie kein gutes Zeichen, spontanes, fontänenartiges Nasebluten beim Frühstück. Nachdem sein Kopf schließlich über die Nase einen kleinen, fötusförmigen Klumpen absondert, scheint alles wieder okay und wir machen weiter mit den Sprüchen. Yep. In Hanau angekommen freuen wir uns über das charmant-punkige AKZ, haben aber auch noch genug Zeit, um uns Freizeitaktivitäten der gehobenen Klasse zu widmen. Einige gehen ins Schwimmbad, in die Sauna (!), um sich da frisch zu machen, die Siff-Fraktion, der ich natürlich angehöre, verzieht sich lieber in den Park zum Fußball kicken. Arne, Badda und Ich besuchen auch noch einen Flohmarkt, auf welchem sich Arne erstmal ein Fotobuch über Blukörperchen zieht. Eiskalt, der Typ. Beitz wäscht sich übrigens im Park die Haare in einem Brunnen, da wär ich gerne dabeigewesen. Kennt ihr die Simpsons-Folge, in der Homer für ein Big-Foot-ähnliches Schlamm-Ungeheuer gehalten wird… Beitz im Brunnen. Tischtennis ist klar, mit den Besuchern vorm Laden rumsitzen auch, sehr angenehme Stimmung, aaaaaalles cool. Das ist Morgen vorbei? Och nöö! Heute sind neben M. und C.P. noch GRRZZ aus Frankreich dabei, die so Elektro-Wahnsinn machen. Ein guter Abend, Beitz wagt sich an den "Pott" (so 40%-Gift) und sagt dann auch schnell und leise Servus. Morgen fahren wir 8 Stunden, mit Ausladen in Hamburg und einem Basti, der noch mal alles gibt im Bus und derbe durchdreht. Wir sind alle benommen von den Impressionen. Ich glaub das wars erstmal von meiner Seite aus. Ich hab den Bericht jetzt in einem Rutsch runtergeschreiben (inkl. kleiner Pausen), es ist 0:30 und ich hab bestimmt viel zuviel vergessen. Liest sich bestimmt auch etwas wirr und runtergeleiert, aber für ein lyrisches Monster fehlt mir die Zeit, sorry! Keine Ahnung, ob das auch nur ansatzweise Interessant ist, für Leute, die nicht dabei waren, wahrscheinlich nicht. Geht raus und macht es selber. Es lohnt sich, ihr nehmt was mit. Das Leben ist zu kurz. CAPTAIN PLANET (www.captain-pla.net) und MATULA (www.matula.tk) haben übrigens beide supercoole Singles draußen, die solltet ihr euch wirklich besorgen. Auch wenn es nötig ist, da ich es Euch eh schon gesagt haben, hier nochmal: Danke Arne, Hendrik, Badda, Benni, Robert, Basti, Beitz und Thorben, dafür das ihr mich mitgenommen habt. War eine großartige Zeit. Freu mich schon aufs nächste mal aus voller Lunge schreien. Und ein Megasuperdanke natürlich an alle Leute, die Essen für uns gekocht, uns Pennplätze gegeben und uns wie alte Freunde behandelt haben.
gedanken von renke.
|